Hannover ab 1866

1866 musste der letzte König von Hannover, Georg V. abdanken, da Hannover nach einer Kriegs-Niederlage Provinzhauptstadt unter preussischer Herrschaft wurde. Die preussische Gewerbefreiheit in Verbindung mit der galoppierenden Industrialisierung beschleunigten das Wachstum der Stadt ungemein. Die traditionell verkehrsgünstige Lage an wichtigen Verkehrsachsen und die Anbindung an die Eisenbahn taten ein Übriges. Die Bevölkerung stieg sprunghaft, begünstigt durch die vielen neuen Arbeitsplätze in der Industrie. 1850 waren es noch 28.000 Einwohner, 1873 schon 100.000 und 1937 schliesslich 427.000. Dies wurde auch durch zahlreiche Eingemeindungen u.a. von Linden, verstärkt. Viele Fabriken entstanden: 1838 die Pelikan Werke für Schreibwaren und Künstlerfarben, 1851 die Sprengel Schokoladenfabrik, 1864 die Continental Gummiwerke, 1889 die Bahlsen Keksfabrik.

Probleme einer Großstadt

Hannover war eine Industriestadt und eine Großstadt geworden. Besserverdienende zogen aus dem Stadtzentrum, die mittelalterlichen Häuser in der Altstadt verfielen immer mehr. Als sprunghaft gewachsene Stadt hatte Hannover so mit den typischen Probemen einer Grosstadt zu dieser Zeit zu kämpfen: Schmutz, Verarmung von Teilen der Bevölkerung, Kriminalität. Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit waren Probleme, die der Stadt bis zum zweiten Weltkrieg zu schaffen machten. Aber auch ein lebendiges geistiges Leben fand statt: besonders Kurt Schwitters und die Künstlergruppe um ihn hatten Weltruf.

Dann der Krieg... dem über lange Zeit gewachsenen und immer wieder umgestalteten Stadtbild Hannovers wurde durch den zweiten Weltkrieg ein fürchterlicher Kahlschlag zugefügt.Die Stadt wird von allen deutschen Städten mit am härtesten getroffen: 50 Prozent aller Häuser der Stadt sind komplett zerstört, ganze sechs Prozent unbeschädigt. 90 Prozent der Haushalte sind ohne funktionierenden Wasseranschluss, 75 Prozent ohne elektrisches Licht. In der Innenstadt steht quasi nichts mehr, das Ausmass der Zerstörung kann man im neuen Rathaus am Modell der Stadt von 1945 betrachten.

Das Schicksal schlägt noch einmal zu

Die ersten Jahre nach dem Krieg waren dann noch einmal besonders hart: 1945/46 zerstörte ein verheerendes Hochwasser vieles, was im Krieg noch heile geblieben war, und 1946/47 machte ein sehr harter und langer Winter der Bevölkerung zu schaffen.

Die verkehrsgünstig gelegene Stadt Hannover wurde ausersehen, den Messestandort Leipzig zu ersetzen, da dieser aufgrund der Besetzung durch die Soviets nicht mehr zur Verfügung stand. Dies kurbelte die Wirtschaft in Hannover an und ist in seiner Bedeutung für den Wiederaufbau nicht zu unterschätzen. Durch die weitreichende Zerstörung der Stadt wurde vieles komplett neu aufgebaut. Der Nachteil ist, dass es speziell in der Innenstadt kaum alte Gebäude mit Flair gibt. Vorteilhaft wirkte es sich aber dadurch aus, dass die Strassen entsprechend dem grösseren Verkehrsaufkommen breiter und grosszügiger angelegt werden konnten und so eine geringere Belastung durch den Autoverkehr entstand. In diesem Zuge entstanden auch die Schnellwege (es sind ja eigentlich Stadtautobahnen), die den Durchgangsverkehr an der Innenstadt vorbei leiten.