Raschplatz

Hier zeigt sich Hannover von einer ganz anderen Seite. Beinharte 70er-Jahre-Betonarchitektur prägt den Platz, der bei seinem kompletten Umbau ab 1969 eigentlich Grosses bewirken sollte. Er war als ein neues Wohn- und Geschäftszentrum geplant und sollte eine Verbindung der Innenstadt zur List herstellen. Wie bei vielen Planbauprojekten dieser Zeit (Trabantenstädte sei das Stichwort) blieb es beim grossen Plan. Es stellte sich heraus, dass sich Zentren nicht künstlich erschaffen lassen. Zudem stellte sich die damals als fortschrittlich gefeierte vielgeschossige Betonarchitektur als recht abstossend für die Menschen heraus: die Leute wohnten dort nicht gern und suchten auch sonst nicht die Nähe der Betonkolosse.

Es entsteht Leben trotz Bausünde 

So auch das Schicksal des Raschplatzes: Das grosse Hochhaus „Lister Tor“ hatte von Anfang an damit zu kämpfen, dass viele Wohn- und Büroflächen einfach nicht vermietet werden konnten und leerstanden, was sich nie wirklich besserte. Das Wertheim Kaufhaus, am Raschplatz angesiedelt, machte hohe Verluste und schloss schon 1979 wieder. Ich habe den Raschplatz inklusive Busbahnhof und Hamburger Allee mit Hochstrasse immer als einen der hässlichsten Punkte Hannovers erlebt. Und doch ist er lebendig und hat speziell seit sich das zweite Cinemaxx sich hier ansiedelte und einige Gastronomie hinzukam, vor allem abends an Flair gewonnen. Schon lange sind hier angesagte Discos wie die Bhagwhan-Disco oder das Zaza angesiedelt, die Raschplatzkinos waren der Anfang des Kinoimperiums von Joachim Flebbe; sie werden immer noch erfolgreich als Programmkinos betrieben. Man kann also von „Leben trotz Beton“ sprechen, und die Ambiguität von Hannover als auf den ersten Blick kalte und langweilige, auf den zweiten aber durchaus lebenslustige Stadt wird hier besonders deutlich.