Neues Rathaus

Es ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von Hannover. Recht nah am Stadtzentrum gelegen, erkennt man die grosse grüne Kuppel schon von weitem. Sicher ein Pflichtpunkt in jeder Stadtrundfahrt, ist seine Treppe schon von manchem unvermählten Dreissigjährigen gefegt worden. Sicher lädt der imposante Bau zum Fotografieren ein. Für Verwirrung bei Nicht-Hannoveranern sorgt die Tatsache, dass es eben das neue Rathaus ist und nicht das alte, obwohl der historisierende Baustil dies nahelegt. Doch das alte Rathaus steht in der Altstadt und ist schon von seiner Grösse her wesentlich unspektakulärer.

Das neue Rathaus war mit 100m lange das höchste Gebäude von Hannover, wenn man von den Fernsehtürmen absieht. Die Kuppel ist begehbar und man hat von oben einen fantastischen Ausblick. Das letzte Stück durch die Kuppel legt man in einem ebenfalls sehr bekannten Aufzug zurück, der leicht um die Kurve geht und bei der Fahrt immer bedrohliche Knarzgeräusche von sich gibt. Eingebettet ist das Rathaus in den Maschpark mit einem kleinen See im Mittelpunkt, der ebenso wie die Rasenflächen im Sommer zu einer Ruhepause einlädt. Das Rathaus ist Sitz des Oberbürgermeisters, und hier finden auch die Sitzungen der kommunalpolitischen Gremien und Ausschüsse statt.

Die Hauptattraktion im Inneren des Rathauses sind neben den Bogengängen und der eindrucksvollen Haupttreppe die vier Miniatur-Stadtmodelle. Sie zeigen Hannover zu vier verschiedenen Zeitpunkten: 1689, 1939, 1945 und heute, wenn auch dieses Modell schon von 19xx stammt. Neben der Tatsache, wie klein die Stadt 1689 noch war, bestürzt vor allem das Ausmass der Zerstörung Hannovers durch den Krieg auf dem Modell von 1945. Im Modell wirkt dies noch wesentlich erschreckender als auf Fotos.

Historisches

Das Rathaus wurde 1913 nach zwölfjähriger Bauzeit eingeweiht. Die Architekten Hermann Eggert und Gustav Halmhuber auf 6026 Buchenpfählen errichtet. Die Kosten betrugen 10 Millionen Mark. Der Stadtdirektor Heinrich Tramm war eine wichtige treibende Feder beim Neubau.

Das alte Rathaus war schon Mitte des 19. Jahrhunderts zu klein geworden. Magistrat und Verwaltung zog daher 1862 in das Wangenheimpalais um, der Rest der Stadtwerwaltung war über die Stadt verstreut. 1895 wurde der Neubau beschlossen, als Gelände sollte die Aegidienmasch dienen, die zwar sumpfig war, dafür aber nahe am Zentrum gelegen. Es wurde ein Wettbewerb für den Entwurf ausgeschrieben. Doch es bedurfte noch einer zweiten Wettbewerbsrunde, ehe ein Entwurf Gnade beim Stadtrat fand.

Um den Bau auf dem sumpfigen Untergrund zu stabilisieren, wurden zunächst 6.026 Buchenpfähle in die Erde gerammt, auf denen dann wiederum eine Betonschicht als eigentliches Fundament diente. Der 129 m lange dreigeschossige Komplex wurde nach dem Entwurf von Hermann Eggert in historisierend im Stil des Neo-Barock und der Neo-Renaissance gestaltet. Der Innenausbau wurde von Gustav Halmhuber gestaltet, da sich Tramm mit den Vorstellungen von Eggert hierfür nicht anfreunden konnte.

Die mit zehn Millionen Mark für damalige Zeiten gigantischen Kosten für den Bau blieben nicht ohne Kritik, manche Kritiker sprachen von „städtebaulichem Grössenwahn“. Tramm wird mit dem eindrucksvollen Ergebnis des ehrgeizigen Projektes sicher zufrieden gewesen sein.