Ein haariges Missverständnis

Allein der Name war schon extotisch: Abel Xavier. Und die Frisur erst! Der "Streifenhönchen-Look" ging als erfolgloseste Fussballerfrisur in die ohnehin schon recht bewegte Fussballhistorie von Hannover 96 ein. Pikanterweise fiel der Start des vermeintlichen Superstars zusammen mit Ralf Rangnicks letzten Zügen in Hannover. Der Backnanger "Professor" und Vater des Wiederaufstieges in die Bundesliga wird bis heute zumindest teilweise zurecht als als Heiliger verehrt. Dass er keiner war, sah man schon an dem Experiment, das nur die Frsöre glücklich gemacht haben dürfte.

In der Winterpause einen Innenverteidiger(!) einzukaufen, der untrainiert ist und seine Nebenleute schon zeitlich kaum kennenlernen kann, war ein Hasardeurstreich. In der Innenverteidigung macht man so wenig Experimente, wie mit dem Torwart: wer keine Fehler macht, bleibt drin. Und die wenigen Fehler brauchen normalerweise mehrere Monate, bis die gesamte Viererkette einigermassen eingespielt ist.

Fremder Mann, was nun?

Aber zurück zu Xavier: ich habe nicht erlebt, dass die hannoversche Presselandschaft (natürlich allen voran die nivauvolle Gazette mit dem grossen B am Anfang) sich jemals so auf einen neuen Spieler gestürzt hat. Präsident Martin Kind wollte einen Paradiesvogel, und, oh ja, den bekam er. Xavier spielte gar nicht mal so schlecht, aber ihm erging es ebenso wie Frank Fahrenhorst in der aktuellen Saison: er hatte keine Chance. Und so rumpelte die Geschichte um den hochbezahlten Kicker ein paar Wochen vor sich hin, bevor sogar Rangnick einsehen musste, dass der wohl besser auf die Bank geht. Aber die Titel der Bild "Haarnover" hiess unsere Stadt plötzlich. "Dieses Auto steht für ihn bereit" "Das ist sein XY" Hätte nur noch gefehlt: "Diese Frau liegt für ihn bereit". Ich habe damals nicht gelacht, doch mit etwas Abstand ist das schon o.k. Unser kleiner Avatar am Anfang hat das eigentliche Schlüsselerlebnis schliesslich auch treffend für die Nachwelt festgehalten.